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Erstmals in der Bahnhofmission

Erstmals in der Bahnhofsmission

Ökumenische Einrichtung beteiligt sich an der Aktion „Würzburg liest ein Buch“

 

 

Dass die einen prunkvoll leben und andere gar nichts haben, ist ein altes Phänomen. Als besonders krass erlebten die Menschen in Würzburg diesen Unterschied nach dem Krieg. In „Die Jünger Jesu“ schildert Leonhard Frank die Diskrepanz zwischen den wenigen Reichen und den vielen Armen. Der Förderverein Bahnhofsmission, der sich an der Aktion „Würzburg liest ein Buch“ beteiligte, zeigte in beeindruckender Weise auf, wie viel die „Jünger Jesu“ mit der Arbeit der Bahnhofsmission zu tun haben.

 

 

Viele der Gäste, die gekommen waren, hatten noch nie auf einem der Stühle im Aufenthaltsraum der Bahnhofsmission gesessen. Sie erlebten am Freitagabend ein kleines bisschen mit, was die Bahnhofsmission tut. In der Pause tranken sie den Tee, der jeden Tag in der Bahnhofsmission ausgeschenkt wird. Und sie lernten Besucher kennen. Denn neben lokalen „Stars“ wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, Dekanin Edda Weise, Schauspieler Herbert Ludwig und BR-Moderator Eberhard Schellenberger lasen auch zwei Besucher. Toni und Peter hießen die beiden Männer, die Romanpassagen vortrugen.

 

 

Es geschah nicht oft, dass sich ein Autor direkt nach dem Krieg mit der Nachkriegssituation auseinandersetzte. Leonhard Frank tat dies – und er tat dies auf eine unter die Haut gehende, authentische Weise. Wer die unmittelbare Nachkriegszeit in Würzburg miterlebt hat, findet sich in den „Jünger Jesu“ wieder, so Zeitzeugin Hildegard Poschet.

 

 

 

 

Die „Jünger Jesu“ nahmen ihr Los nicht einfach hin. Sie kämpften. Und sie solidarisierten sich. Das war damals wirklich so, erklärte die 1928 geborene Würzburgerin: „Man hatte direkt nach dem Krieg tatsächlich alles geteilt, was man hatte.“ Poschet bestätigte auch, dass es jungen Frauen wie der im Roman geschilderten Johanna genauso erging, wie Leonhard Frank es dargestellt hat: „Mädchen, die mit Amerikanern gingen, waren sehr negativ angesehen.“ Man unterstellte ihnen, dass sie sich quasi für Kaffee und Zigaretten verkauften.

 

 

Der bittersüßen Lakonik von Leonhard Frank schickte Helmut Fries, Vorsitzender des Fördervereins Bahnhofsmission, die zugleich nüchterne wie packende Analyse der damaligen Situation der Bahnhofsmission voraus. Wie der Chronik der Einrichtung zu entnehmen ist, standen die Mitarbeiterinnen dem Massenelend am völlig zerstörten Bahnhof mit primitivsten Hilfsmitteln gegenüber. Von „millionenfachem Leid“, das durch die fränkische Heimat rollte, ist da zu lesen.

 

 

In Franks Roman fügen sich verschiedene Schicksale zu einem spannenden Mosaik. Eben dies kennzeichnet bis heute die von der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft getragene Arbeit der Bahnhofsmission. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter haben es mit ganz unterschiedlichen, „bunten“ Schicksalen zu tun. Ihre Arbeit ist heute zwar völlig anders als direkt nach dem Krieg. Doch von ihrer Notwendigkeit hat die Bahnhofsmission keinen Deut eingebüßt.

Reichlich Applaus gab es für Toni und Peter, Besucher der Bahnhofsmission, die auf besonders lebendige Weise aus „Die Jünger Jesu“ vorlasen.