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Für 2015 sind die Nächte sicher

Förderverein überreicht 50.000 Euro für den 24-Stunden-Dienst der Bahnhofsmission

 

Würzburg. „Sofort ins Frauenhaus!“ Dieser Gedanke stellt sich ein, wenn die Situation zu Hause eskaliert. Wenn der Ehemann austickt und der kleine Sohn schon wieder miterleben muss, wie seine Mutter zusammengeschlagen wird, bis sie auf dem Küchenboden liegt. Nachts jedoch können Würzburgs Frauenhäuser nur in Ausnahmefällen Gewalt bedrohte Frau aufnehmen, zumal sie auch oft schon belegt sind. Nachts kann allein die Bahnhofsmission von Misshandlung bedrohten Frauen einen sicheren Platz zu garantieren.

Nach und nach sickerte es im Laufe des vergangenen Jahres ins Bewusstsein vieler Würzburger Bürger, wie existenziell wichtig die Bahnhofsmission mit ihren Öffnungszeiten rund um die Uhr für die Stadtgesellschaft ist. Der Förderverein der Bahnhofsmission sorgte mit großem Engagement dafür, dass die Bedeutung gerade des Nachtdienstes weithin bekannt wurde. Dies geschah vor dem Hintergrund enger finanzieller Spielräume: Die von Caritas und Diakonie getragene Christophorus-Gesellschaft muss mit schrumpfenden Mitteln einer tendenziell wachsenden Not begegnen. Der Appell des Fördervereins nach Unterstützung der Bahnhofsmission kam in der Bevölkerung unerwartet gut an. Für dieses Jahr konnte der 24-Stunden-Dienst gesichert werden.
Durch vielfältige, fantasievolle Aktionen gelang es dem 70 Mitglieder starken Förderverein, im Laufe des vergangenen Jahres insgesamt 65.000 Euro zur Unterstützung der Bahnhofsmission zu sammeln. „15.500 Euro konnten wir der Christophorus-Gesellschaft bereits im Juli 2014 überreichen, zu Jahresbeginn wurden weitere 50.000 Euro überwiesen“, informiert Vereinsvorsitzender Helmut Fries.
Für Günther Purlein, Geschäftsführer der Christophorus-Gesellschaft, ist der gesammelte Spendenbetrag in seiner Höhe „eine außerordentlich positive Überraschung“. Der Förderverein, der sich Seite an Seite mit der Christophorus-Gesellschaft für eine bestmögliche Unterstützung von Menschen in prekären Lebenssituationen in Würzburg einsetzt, sei, so Purlein, ein unersetzlicher Partner. Auch in diesem Jahr werden sich Christophorus-Gesellschaft und Förderverein gemeinsam für die Bahnhofsmission einsetzen, damit der Rund-um-die-Uhr-Service mit dem wichtigen Nachtdienst auch 2016 aufrechterhalten werden kann.
Die Mitarbeiter, die den Nachtdienst abdecken, werden so gut wie jede Nacht mit Menschen in unterschiedlichen Notlagen konfrontiert. Da war zum Beispiel der Mann, der nicht über die Scheidung von seiner Frau und die Trennung von seinen Kindern hinwegkam. Seine Verzweiflung darüber, dass seine Lebenspläne unkittbar zerbrochen waren, ließ ihn sogar an Suizid denken. Fünf Stunden lang schilderte er einem Mitarbeiter im Nachtdienst der Bahnhofsmission seine Seelenpein, saugte er Trost aus dem nie erhoffen Umstand, dass sich ein anderer Mensch einmal alles anhört, was ihn seit langem quält. Beim Abschied nach dieser gesprächsintensiven Nacht war er wesentlich gefasster als zuvor. Hatte der Mann die Kraft gefunden, die nächsten Stunden und Tage weiterzuleben.
Dann war da Mario, der Junge, der abends aus der Wohnung flog, weil sich seine Mutter, eine Frau mit seelischen Problemen, bei einem Streit allzu sehr über ihn geärgert hatte. Ein Obdachloser gab ihm den Tipp, sich an die Bahnhofsmission zu wenden. Der Nachtdienstmitarbeiter, hörte sich die Geschichte des Jungen ruhig an. Er konnte in einem langen Telefongespräch mit der Mutter erreichen, dass sie ihren Sohn abholte.
Rund 40.000 Mal wurde die Bahnhofsmission 2014 kontaktiert. Über 3.000 Mal kam es im vergangenen Jahr vor, dass Menschen in ganz unterschiedlichen Notsituationen die Einrichtung in unserer Nachtdienstzeit zwischen 21.30 Uhr am Abend und 7 Uhr am Morgen aufsuchten. 344 Mal übernachteten Frauen, oft auch mit Kindern, in der Bahnhofsmission.
Ohne die Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft hätte die verprügelte Mutter mit ihrem Sohn nicht prompt eine Zuflucht gefunden. Wäre der Junge die Nacht durch herumgestreunt – und hätte der Mann, der nicht über die Trennung von seiner Familie hinwegkommt, sich am Ende vielleicht doch in dieser Nacht das Leben genommen.
– Günther Purlein

 

 

Unterstützen können Sie den wichtigen 24-Stundendienst mit einer Spende ab sofort auf das Konto DE97 7509 0300 0003 0102 28 der Liga Bank Würzburg – Förderverein Bahnhofsmission
Die Bahnhofsmission erreichen Sie persönlich und telefonisch 24 Stunden jeden Tag – neue Telefonnummer 0931 – 7304 – 8800
E-Mail: bahnhofsmission@christophorus-wuerzburg.de