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Hier sind alle herzlich willkommen

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2. Begegnungspicknick des Fördervereins wurde ein voller Erfolg

 

 

Würzburg. „Das ist wirklich eine tolle Sache“, schwärmt die blonde Frau im bunten Sommerkleid, die am Sonntag beim Begegnungspicknick des Fördervereins der Bahnhofsmission teilnahm. Die Frau besucht die Bahnhofsmission häufig, dadurch wurde sie auf die Veranstaltung am Würzburger Hauptbahnhof aufmerksam. Die Bahnhofsmission, erzählte sie, ist eine für sie überaus wichtige Einrichtung: „Denn dort geht man gut mit den Menschen um.“

 

 

Sich vorurteilslos auf Menschen einzulassen, egal, welches Problembündel sie mitbringen, dafür steht die ökumenische Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft. Aus dieser Haltung heraus wurde auch die Idee des Begegnungspicknicks geboren. Männer und Frauen ganz unterschiedlicher Couleur erhielten nun schon zum zweiten Mal Gelegenheit, sich im lockeren Rahmen des Picknicks kennen zu lernen. Das war, wie schon bei der Erstauflage, eine spannende Sache. Hat doch jeder Mensch eine bewegende Geschichte zu erzählen, aus der deutlich wird, warum der Betreffende im Augenblick so und nicht anders lebt.

 

 

Was sie alles hinter sich hat, sieht man der Frau im bunten Sommerkleid nicht an. Monatelang lebte sie auf Sparflamme: „Von 500 Euro im Monat.“ Die Frau litt an psychischen Problemen. Deshalb kam sie in ein Übergangswohnheim: „Durch den Auszug habe ich mich verschuldet.“ Inzwischen ist der Schuldenberg geschmolzen: „So dass ich immerhin 700 Euro zum Leben habe.“

Bahnhof Würzburg: Sozialer Brennpunkt

 

Armut kennt auch Gerald Möbus (Name der Klienten der Bahnhofsmission geändert). „Am Ende des Monats geht mir meist das Geld aus“, erzählt der 51-Jährige. Dann sucht er die Bahnhofsmission auf, wo es immer Tee und Gebäck gibt. Beim Picknick rund um den Kiliansbrunnen fühlte sich der Mann äußerst wohl. Im Gespräch berichtete er davon, dass er schon bessere Zeiten sah: „Ich war selbstständig.“ Doch die Selbstständigkeit ging schief. Darum stürzte auch Möbus in Schulden.

Heute arbeitet er in einer Wäscherei: „Dort bediene ich die Waschmaschinen.“ Das bringt ihm zwar ein regelmäßiges, allerdings nur ziemlich niedriges Gehalt ein. Damit ist er keine Ausnahme, weiß Möbus: „Es gibt viel mehr Arme, als man denkt.“

 

 

 

 

„Ich bin vor allem hier, weil ich andere Menschen kennen lernen möchte“, berichtet Claudia Schuller. Die 31-Jährige unterhält sich gern. Aus diesem Grund kommt sie auch öfter in die Bahnhofsmission: Hier hat immer jemand Zeit für ein kurzes Gespräch. In ein Café oder einen teuren Sportclub zu gehen, könnte sich Schuller nicht leisten. Die junge Frau arbeitet als Reinigungskraft in einem Schwimmbad. Auch sie wird alles andere als üppig entlohnt.

Dass sie keinen besseren Job hat, liege an ihrem Handicap: „Ich hatte bei der Geburt Sauerstoffmangel.“ Aus diesem Grund tut sie sich sehr schwer, Neues zu lernen. Als Mensch mit Behinderung erfuhr Claudia Schuller schon Ablehnung oder Unverständnis. Dabei könne sie doch nichts für ihre Einschränkung, sagt sie: „So etwas, das sucht man sich nicht aus.“ In der Bahnhofsmission und beim Begegnungspicknick hatte sie das schöne Gefühl, rundum akzeptiert zu sein und respektvoll behandelt zu werden.

 

 

Jeder ist willkommen!“ lautete das Motto des Picknicks. Sowohl Besucher der Bahnhofsmission und der Wärmestube als auch junge Klienten der Würzburger Streetworker waren herzlich eingeladen, sich auf Decken niederzulassen, zu essen, zu trinken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht zuletzt Jugendliche, die sich am Bahnhofsvorplatz aufhalten, nutzten am Sonntag die Gelegenheit, mit „ganz normalen“ Bürgern in Kontakt zu kommen und ihre oft reichlich prekäre Situation zu schildern.