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Konzert mit Symbolcharakter

Konzert mit Symbolcharakter

Polizeichor und Tuba-Quartett musizieren für den Förderverein Bahnhofsmission

 

Würzburg. Einen Ohrenschmaus auf hohem Qualitätsniveau präsentierten der Würzburger Polizeichor und das Tuba-Quartett des Heeresmusikkorps Veitshöchheim am Sonntag in der vollbesetzten St.-Johannis-Kirche. Standing Ovations und mehrere Zugaben zeigten, wie beeindruckt die Zuhörer von den Darbietungen unter der Leitung von Dirigent Jürgen Pfarr und Tubaspieler Bernhard Huf waren. Der Erlös des Konzerts, das unter dem Motto „Begegnungen“ stand, fließt in die Arbeit der Bahnhofsmission.

 

 

Das Repertoire des Polizeichors bestach durch sehr spezielle, ungewöhnliche Liedbeiträge fernab vom „Chor-Mainstream“. So boten die 40 Sänger im ersten Konzertteil mit „Tébe pojém“ und „Hwalite Gospoda snebeß“ zwei in Ukrainisch vorgetragene Kirchenlieder von Dmitry Stepanovych Bortnjansky dar. Der hauptsächlich in Russland wirkende Komponist hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Kirchenmusik im 19. Jahrhundert.

 

 

Das Tuba-Quartett, das Stücke von Georg Friedrich Händel, Girolamo Frescobaldi, John Stevens und Franz Schubert präsentierte, faszinierte durch die souveräne Beherrschung eines äußerst anspruchsvollen Instruments. Ungewöhnlich war hier allein die Besetzung: Tuba-Quartette sind eine rare Erscheinung. Dies wiederum schlug metaphorisch die Brücke zur Bahnhofsmission. So, wie die Tuba-Bläser unter Leitung von Hauptfeldwebel Bernhard Huf zeigten, was mit diesem tiefsten aller gängigen Blechblasinstrumente möglich ist, demonstriert das Team der Bahnhofsmission tagtäglich, welche ungeahnten Möglichkeiten sich in der Arbeit mit an den Rand gedrängten Menschen bieten.

 

 

 

 

Im weltlichen Teil des dramaturgisch ausgeklügelten, zweistündigen Programms wartete der Polizeichor mit zwei Premieren auf. Erstmals brachten die Männer die a cappella-Titel „Die Wunder dieser Welt“ (Musik: Pasquale Thibaut, Text: Gerhard Grote) und „Dieser Tag ist schön“ zu Gehör. Bei letzterem handelt es sich um das Largo aus der 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ („Musik: Anton Dvorak, Text: Gerhard Grote, Satz: Pasquale Thibaut).

 

 

Den im dritten Konzertteil von Pianist Rudolf Ramming begleiteten Sängern forderte vor allem die Interpretation von „Caro mio ben“ viel ab. Tommaso Giordani vertonte dieses Lied an den Frieden, das sängerisch höchsten Feinschliff erfordert. Zu den Highlights des Konzerts zählte außerdem die in deutscher Sprache präsentierte, russische Volksweise „Wenn der Abendwind leise weht“. Hier zog der Männerchor emotional noch einmal alle Register. In dem von Otto Groll geschaffenen Chorsatz liegen Gedanken der Sehnsucht und Romantik, aber auch Trauer und Wehmut eng beieinander. Alle diese Empfindungen gingen den Zuhörern sichtlich unter die Haut.

 

 

Das ungewöhnliche Konzertprogramm stand in vielerlei Hinsicht symbolisch für die Arbeit der 40 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bahnhofsmission: Auch sie haben es tagtäglich mit ungewöhnlichen, in ihrer Ungewöhnlichkeit bereichernden Begegnungen zu tun. Die Frage, warum der vor knapp 30 Jahren gegründete Polizeichor für den Förderverein Bahnhofsmission ganz umsonst auftrat, ist für Horst Assmann, Vorsitzender des Chors und Moderator durch den Abend, sehr einfach zu beantworten. „Es ist Tradition und Verpflichtung zugleich, dass sich der Polizeichor durch eigene Veranstaltungen sowie durch die Mitwirkung bei Benefizkonzerten für gemeinnützige Zwecke in den Dienst stellt“, betont er.

 

 

Das Engagement der Bahnhofsmission auf dem Würzburger Bahnhofsgelände mit all seinen sozialen Besonderheiten könne gesellschaftlich nicht hoch genug eingeschätzt werden. Berührungspunkte zwischen dem Personal der Bahnhofsmission und der Polizei gibt es Assmann zufolge ständig: „Wir beide haben die sozialen Belange vieler hilfloser oder gestrauchelter Menschen im Blick.“ Für den Polizeichor Würzburg sei es darum eine Ehre gewesen, sich in seiner Heimatstadt durch die Mitwirkung beim Benefizkonzert zu Gunsten der Bahnhofsmission in den Kreis der Unterstützer einzuklinken.