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Mit Mucho Mojo auf 160

Mit Mucho Mojo auf 160

Förderverein der Bahnhofsmission will seine Mitgliederzahl bis Jahresende verdoppeln

 

 

Würzburg. Im kalten Dezember spielten sie schon einmal am Bahnhofsvorplatz auf, die fünf Jungs von der Blues Band Mucho Mojo. „Da war es aber so ungemütlich, dass die Leute nicht länger stehenblieben“, sagt Bassist Gunther Schunk. Das war am Freitag anders. Viele kamen und hörten zu. Die Spendendosen füllten sich. Ein 1.000-Euro-Scheck wurde überreicht. Außerdem konnte der Förderverein der Bahnhofsmission, Organisator des Benefizkonzerts, weitere Fördermitglieder gewinnen.

 

 

Wir brauchen neue Mitglieder, um neue Aktionen zugunsten der Bahnhofsmission planen und realisieren zu können“, erläuterte Diakonin Martina Fritze vom Förderverein. 80 Mitglieder gehören dem Verein derzeit an: „Wir wollen versuchen, die Mitgliederzahl bis Jahresende zu verdoppeln.“ Das ist natürlich ein extrem ehrgeiziges Ziel. Das begeistert aufgenommene Konzert von „Mucho Mojo“ zeigte allerdings: Es macht Spaß, sich im Förderverein zu engagieren, man lernt dadurch eine Menge interessanter Menschen kennen. Und kann bei einem Besuch in der Bahnhofsmission sehen, wie sinnvoll die durch die Benefizaktionen eingenommenen Gelder angelegt sind.

 

 

Beides kann Katrin Böse bestätigen. Die junge Frau, die beim Würzburger Versicherungsmakler Dittmeier beschäftigt ist, engagiert sich seit längerem in der Projektgruppe des Fördervereins. Ihr Einsatz macht ihr große Freude – und kommt auch bei ihrem Arbeitgeber sehr gut an. Der nutzte das eintrittsfreie 14. Bahnhofskonzert mit „Mucho Mojo“, um eine Spende von 1.000 Euro an den Förderverein zu überreichen. Davon wird der Nachtdienst unterstützt, ein Teil des Geldes fließt außerdem in die Bildungsarbeit der 25 Ehrenamtlichen, die durch den Zuzug von Flüchtlingen in jüngster Zeit vor besonderen Herausforderungen stehen.

 

 

Entgegengenommen wurde der Scheck von den Vereinsmitgliedern Martina Fitze, Johannes Hasler und Bürgermeister Adolf Bauer. Letzterer trat beim Bahnhofskonzert nicht nur als Kommunalvertreter auf. „Ich bin selbstverständlich Mitglied des Fördervereins“, so der Bürgermeister. Vielfach konnte er sich schon davon überzeugen, welche wichtige Arbeit die Bahnhofsmission am Würzburger Verkehrsknotenpunkt leistet: „Sie ist ein soziales Aushängeschild für unsere Stadt.“

 

 

 

 

Bauer weiß, dass es in Würzburg eine Menge Menschen in Not gibt. Nicht wenige dieser Menschen kamen zu „Mucho Mojo“ – und genossen das Konzert in vollen Zügen. Darunter war Heinrich Six (Name geändert). Der 68-Jährige sicherte sich als erster Zuhörer einen Platz auf den Bänken vor der Bühne. „Ich habe gelesen, dass es heute am Bahnhof ein Konzert gibt, da bin ich gleich gekommen“, sagt der Countryfan, der von einer schmalen Rente leben muss und sich keine teuren Konzertkarten leisten könnte.

 

 

Six war bis zu seiner Berentung vor fünf Jahren als Gabelstaplerfahrer tätig: „Gerade früher hat man damit sehr wenig verdient.“ Entsprechend gering fiel die Einzahlung in die Rentenkasse aus. Nun muss sich der Senior mit mageren Altersbezügen begnügen: „Das heißt, sich manchmal ganz schön nach der Decke zu strecken.“ Vergnügungen wie Sommerreisen sind für ihn nicht drin. Das letzte Mal war er vor zehn Jahren für ein paar Tage unterwegs: „Da war ich in Füssen.“ Doch Six versucht, sich das Leben auch mit wenig Geld schön zu machen: „Dieses Konzert heute am Bahnhof ist für mich so etwas wie ein Mini-Urlaub.“

 

 

Heinrich Six ist kein Besucher der Bahnhofsmission. „Noch nicht“, schmunzelt er. Ein Bluesfan, der schräg hinter ihm saß, besucht die ökumenische Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft hingegen regelmäßig. Der ursprünglich aus Italien stammende 71-Jährige hat Krebs: „Die Diagnose stürzt mich immer mal wieder in Depressionen.“ Vor allem dann geht der Mann in die Bahnhofsmission: „Hier bekomme ich immer ein gutes Wort.“ So dass er stets ein klein wenig optimistischer nach Hause geht, als er gekommen ist.

 

 

Unterstützt wurde das Bahnhofskonzert erstmals vom Café Wunschlos Glücklich. Freiwillige aus dem Café-Team verkauften Getränke und Flammkuchen. Der Erlös kam vollständig der Bahnhofsmission zugute.