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Nachts nicht wissen wohin

Nachts nicht wissen wohin 

Förderverein übergibt beim Benefizkonzert 40.000 Euro für die Bahnhofsmission 

 

 

Würzburg. Die Frau hielt es nicht mehr in ihrer Wohnung aus. Panikattacken hatten sich eingestellt, ihr Herz klopfte zum Zerspringen. In solchen Nächten geisterte sie oft bis zum Morgengrauen durch die Straßen. Doch es ist Januar. Und bitterkalt. Darum wandte sie sich an den Nachtdienst der Bahnhofsmission. Um den Fortbestand dieses so wichtigen Dienstes zu sichern, erhielt die Einrichtung am Sonntag beim Benefizkonzert mit dem Bundespolizeiorchester 40.000 Euro vom Förderverein Bahnhofsmission.

 

 

Die Bahnhofsmission ist der einzige Ort in der gesamten Region Würzburg, wo Menschen in Not auch nachts eine offene Türe finden. Das Angebot aufrecht zu erhalten, bedeutet für die ökumenische Christophorus-Gesellschaft als Träger allerdings eine immense Herausforderung. „Bis zu 80.000 Euro im Jahr kostet es, diesen Schutzraum zu unterhalten“, erklärte Helmut Fries, Vorsitzender des Fördervereins Bahnhofsmission, bei der Überreichung des Spendenschecks am Sonntag in der Würzburger St. Johannis-Kirche.

 

 

Das ganze Jahr 2016 über sammelte der Förderverein Geld für diesen weithin einmaligen und unverzichtbaren Dienst. Wie wichtig er ist, unterstrich Bahnhofsmissionsleiter Michael Lindner-Jung im Vorfeld der Scheckübergabe. „Wir werden nachts keineswegs nur von Menschen aufgesucht, die keine Wohnung haben“, erläuterte er. Auch Männer und Frauen in akuten psychischen Ausnahmesituationen wenden sich an die Einrichtung am Hauptbahnhof. Die Frau, die in jener bitterkalten Januarnacht an der Tür der Bahnhofsmission klingelte, war also alles andere als eine Ausnahme. Generell steigt laut Lindner-Jung die Bedeutung der Bahnhofsmission als Ort, wo Krisenintervention geleistet wird.

Notunterkunft für jedermann

 

„Die Bahnhofsmission ist gerade in der Winterzeit wie ein Wohnzimmer für Menschen, die keine oder nur eine schlecht beheizte Wohnung haben“, bestätigte Würzburgs evangelische Dekanin Edda Weise, eine regelmäßige Besucherin der Bahnhofsmission. Die Einrichtung, in der letztes Jahr 40 Freiwillige über 7.000 ehrenamtliche Stunden geleistet haben, sorge vor allem nachts für sozialen Frieden, ergänzte Clemens Bieber vom diözesanen Caritas-Verband. Dadurch blieben Würzburg Probleme erspart, die man in anderen Städten nachts häufig wahrnimmt. „Schwierige Situationen richten sich nicht nach Öffnungszeiten“, unterstrich Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

 

 

 

 

 

Mit dem Benefiz-Kirchenkonzert des Bundespolizeiorchesters begann der Förderverein der Bahnhofsmission seine Spendensammlung für das Jahr 2017. Das Konzert selbst sorgte für Begeisterung beim Publikum. Dirigent Jos Zegers, seit Oktober 2016 Orchesterleiter, schaffte es durch eine geschickte Programmauswahl, vielfältige Brückenschläge zu den Anliegen der Bahnhofsmission und ihres Fördervereins zu schlagen.

 

 

So wurde am anspruchsvollsten Stück des Abends, „For Natalie“ des amerikanischen Komponisten James Barnes, deutlich, wie plötzlich und wie tief Menschen in eine schwere Krise stürzen können. „For Natalie“, ein mit „mesto“ überschriebener, trauriger und schwermütiger Satz innerhalb von Barnes’ 3. Sinfonie, wurde von dem Komponisten nach dem Tod seiner Tochter Natalie geschrieben. Barnes verarbeitet darin die schwierigste Zeit seines Lebens. Während des berührenden Zwölfminüters traten zahlreiche Solisten aus dem Orchester bravourös hervor.

 

 

Mit „Peace, please“, einem ruhigen Solowerk für Euphonium und Blasorchester von Frode Thingnaes, ging das Orchester auf die Sehnsucht nach Frieden in den aktuell zerrissenen Zeiten ein. Das Stück ist den Friedenstruppen der Vereinten Nationen gewidmet.