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Geschichteim Zeitraffer


    Am Anfang der BM steht die „Unschuld vom Lande“: Junge Mädchen reisen um die Jahrhundertwende von den Dörfern nach Würzburg und suchen Arbeit. Um sie kümmern sich der kath. Mädchenschutzverein und ab 1899 die ev. „Freundinnen junger Mädchen“.

    Die BM bekommt ein eigenes Büro im Bahnhof. Katholische und evangelische Helferinnen wechseln sich halbtags im Dienst an den Reisenden ab. Die Weltwirtschaftskrise wirft ihre Schatten voraus.

    Im Herbst wird die BM von den Nazis aufgelöst. Konfessionelle Arbeit in öffentlichen Gebäuden ist fortan verboten. Die BM arbeitet bis 1945 im Stillen weiter, kann aber nur vereinzelt helfen.

    Würzburg in Trümmern. Die BM nimmt ihren Dienst wieder auf, zuerst in der ausgebrannten Post, dann in einem Waggon, später in einer Baracke. 1000 Menschen drängeln sich dort Tag für Tag um den kostbarsten Besitz der BM: ein 150-Liter-Teekessel aus der Ruine eines Pfarrhauses.

    Der Massenelend der Nachkriegszeit erreicht seinen Höhepunkt: Die BM versorgt 246 754 Menschen: Russland-Heimkehrer, Flüchtlinge und bettelnd umherziehende Kinder. Der Jahresbericht vermerkt die Ausgabe von 53 687 Portionen Suppe, 51 Zentnern Brot und 165 405 Litern Tee.

    Eine neue Aufgabe für die BM: Immer mehr Kinder werden in den Ferien mit der Bahn ins Ausland geschickt. Im Sommer führt die Caritas erstmals eine große Spanienerholung durch. Die Bahnhofsmissionarinnen betreuen die Kinder am Gleis. Später kommen zahllose Fahrschüler dazu.

    Die Sowjetunion schlägt gewaltsam den Volksaufstand der Ungarn nieder. Innerhalb eines Jahres rollen 142 Flüchtlingszüge mit 47 500 Menschen durch den Würzburger Bahnhof. Die BM ist Tag und Nacht zur Stelle.

    In Deutschland herrscht Arbeitskräftemangel. Die Bundesrepublik wirbt in Südosteuropa Gastarbeiter an. Der Treffpunkt in der Fremde ist der Bahnhof. Bei Problemen hilft die BM.

    DDR-Rentner dürfen die Bundesrepublik vier Wochen lang besuchen. Vor allem alte und gebrechliche Menschen nutzen die Regelung, um ihre Verwandten im Westen wenigstens noch einmal zu sehen. Die Sonderzüge kommen meist nachts. Die BM verstärkt ihren Nachtdienst.

    Immer mehr schwierige Einzelfälle kommen auf die BM zu: Menschen mit psychischen Problemen, ohne festen Wohnsitz, Alkoholiker, Arbeitslose: Ihre Begleitung ist sehr zeitaufwendig.


    In der zweiten Hälfte der 80er Jahre nehmen viele Asylbewerber und Flüchtlinge aus Afrika und Osteuropa die BM in Anspruch.

    Die Mauer fällt. Der Freude folgt die Ernüchterung. Immer mehr Ostdeutsche strömen nach Westen auf der Suche nach Arbeit, vor allem Frauen und junge Leute. Nicht wenige machen schlechte Erfahrungen, etwa in der Drückerkolonne, und brauchen die Unterstützung der BM.

    Sozialer Brennpunkt Bahnhof: Die Zahl der „Straßenkids“ wächst dramatisch an: Von den Eltern rausgeworfen oder aus dem Heim ausgerissen, rutschen sie am Bahnhof oft in Drogen und Prostitution ab. Die BM initiiert ein bundesweit beachtetes Projekt der Straßensozialarbeit (Streetwork und Straßenambulanz).

    Mit ihrem Konzept geht die Würzburger BM in die Offensive. Dort heißt es, in Absprache mit der DB, klipp und klar: Der Bahnhof ist ein sozialer Brennpunkt – und die Bahnhofsmission seine erste Adresse und Hilfestation.
    Die Not hat heute viele Gesichter. Mehr als 80 Prozent der rund 39 000 Kontakte mit Menschen, die sich jährlich an die BM wenden, sind keine Durchreisenden, sondern am Bahnhof Gestrandete: Arbeitslose, Straßenkinder, misshandelte Frauen, psychisch Kranke – Menschen, die nicht den Anschluss an den Zug, sondern ans Leben überhaupt verpasst haben – Menschen, denen mit einem Tee allein nicht geholfen ist, weil sie auch an der Seele frieren. Ihnen fehlen Perspektiven und oft auch der Glaube, dass sich an ihrer Lage noch etwas ändern lässt.
    Die 40 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter haben die besondere Aufgabe, „Langzeit-Kunden“ wieder auf die Beine zu helfen, denen ohne Einsicht in ihre verzweifelte Notlage und genaue Kenntnis des sozialen Netzes sonst kaum geholfen werden kann.
    Die Bahnhofsmission Würzburg 2015:
    • Niederschwellig und 24 Stunden am Tag erreichbar
• Eine Einrichtung am Puls der Zeit
• Kirchlicher sozialer Dienst mitten in der Gesellschaft
• Ein Ort der Hoffnung
• Bahnhofs-Mission: Hilfe in jeder Notlage