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Erfahren sie mehr über die Geschichte der Bahnhofsmission…

1898

Am Anfang der Bahnhofsmission steht die „Unschuld vom Lande“: Junge Mädchen reisen um die Jahrhundertwende von den Dörfern nach Würzburg und suchen Arbeit. Mit dem Umzug in die Großstadt sind auch viele Gefahren für die jungen Frauen verbunden. Um sie kümmern sich der kath. Mädchenschutzverein, der kath. Frauenbund und ab 1899 die ev. „Freundinnen junger Mädchen“.

1925

Die Bahnhofsmission bekommt ein eigenes Büro im Bahnhof. Katholische und evangelische Helferinnen wechseln sich halbtags im Dienst an den Reisenden ab. Die Weltwirtschaftskrise wirft ihre Schatten voraus.

1939

Im Herbst wird die Bahnhofsmission von den Nationalsozialisten aufgelöst. Konfessionelle Arbeit in öffentlichen Gebäuden ist fortan verboten. Die Bahnhofsmission arbeitet bis 1945 im Stillen weiter, kann aber nur vereinzelt helfen.

1945

Würzburg in Trümmern. Die Bahnhofsmission nimmt in dieser Zeit ihren Dienst wieder auf, zuerst im ausgebrannten Postgebäude. Menschen drängeln sich dort Tag für Tag um den kostbarsten Besitz: ein 150-Liter-Teekessel aus der Ruine eines Pfarrhauses. Mit dem Wiederaufbau des Postgebäudes bezieht die Bahnhofsmission vorübergehend einen Güterwaggon.

1946

Ein Jahr nach Kriegsende erhält die Bahnhofsmission eine neue, große Baracke am Bahnhof. Diese diente auch als Ersatz für den fehlenden Wartesaal und war oftmals restlos überfüllt mit Flüchtlingen und Heimkehrern. Die Chronik spricht von 1000 pro Tag.

1947

Das Massenelend der Nachkriegszeit erreicht seinen Höhepunkt: Die Bahnhofsmission versorgt 246 754 Menschen: Russland-Heimkehrer, Flüchtlinge und bettelnd umherziehende Kinder. Der Jahresbericht vermerkt die Ausgabe von 53 687 Portionen Suppe, 51 Zentnern Brot und 165 405 Litern Tee.

1950

Eine neue Aufgabe für die Bahnhofsmission: Immer mehr Kinder werden in den Ferien zur Regeneration mit der Bahn ins Ausland geschickt. Im Sommer führt die Caritas erstmals eine große Spanienerholung durch. Die Bahnhofsmissionarinnen betreuen die Kinder am Gleis. Später kommen zahllose Fahrschüler dazu.

1956

Die Sowjetunion schlägt gewaltsam den Volksaufstand in Ungarn nieder. Innerhalb eines Jahres rollen 142 Flüchtlingszüge mit 47 500 Menschen durch den Würzburger Bahnhof. Die Bahnhofsmission ist Tag und Nacht zur Stelle.

1959

Neue Räume im Hauptbahnhof: Am 6. Februar 1959 gibt die Deutsche Bundesbahn im Rahmen einer Feierstunde die Räume im Inneren des neu gebauten Bahnhofshauptgebäudes. Fast 50 Jahre lang wird die Bahnhofsmission dort am Seitenausgang des Bahnhofs zu finden sein.

1960

In Deutschland herrscht Arbeitskräftemangel. Die Bundesrepublik wirbt in Südosteuropa Gastarbeiter an. Der Treffpunkt in der Fremde ist der Bahnhof. Bei Problemen hilft die Bahnhofsmission.

1964

DDR-Rentner dürfen die Bundesrepublik vier Wochen lang besuchen. Vor allem alte und gebrechliche Menschen nutzen die Regelung, um ihre Verwandten im Westen wenigstens noch einmal zu sehen. Die Sonderzüge kommen meist nachts. Die Bahnhofsmission verstärkt ihren Nachtdienst.

1970

Immer mehr schwierige Einzelfälle kommen auf die Bahnhofsmission zu: Menschen mit psychischen Problemen, ohne festen Wohnsitz, Alkoholkranke, Arbeitslose: Ihre Begleitung ist sehr zeitaufwendig.

1985

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre nehmen viele Asylbewerber und Flüchtlinge aus Afrika und Osteuropa die Bahnhofsmission in Anspruch.

1990

Die Mauer fällt. Der Freude folgt die Ernüchterung. Immer mehr Ostdeutsche strömen nach Westen auf der Suche nach Arbeit, vor allem Frauen und junge Leute. Nicht wenige machen schlechte Erfahrungen, etwa in der Drückerkolonne, und brauchen die Unterstützung der Bahnhofsmission.

1995

Sozialer Brennpunkt Bahnhof: Die Zahl der „Straßenkids“ wächst dramatisch an: Von den Eltern rausgeworfen oder aus dem Heim ausgerissen, rutschen sie am Bahnhof nicht selten in Drogen und Prostitution ab. Die BM initiiert gemeinsam mit Einrichtungen der Jugendhilfe die Würzburger Straßensozialarbeit (Streetwork).

2000

Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamt spielen eine immer größere Rolle, um die Bahnhofsmission für die Zukunft zu stärken. Jedes Jahr findet nun in der Bahnhofshalle ein großes Bahnhofskonzert statt. Im Jahr 2005 wird der Förderverein der Bahnhofsmission gegründet, der die Arbeit der Bahnhofsmission in der Öffentlichkeit vertritt, Benefizveranstaltungen organisiert, Spendengelder akquiriert, die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie den Nachtdienst in besonderem Maße finanziert.

2008

Umzug der Bahnhofsmission in die jetzigen Räume im Westflügel des Bahnhofs.

2010

Die Bahnhofsmission setzt vermehrt auf sozialräumliches Arbeiten. Die Wünsche, Bedürfnisse und Ressourcen der Besucherinnen und Besucher stehen im Mittelpunkt, sodass die Menschen nicht mehr nur mit ihren Defiziten und Problemen wahrgenommen werden. „Runde Tische“ und eine „Besucherbefragung“ werden durchgeführt. Zudem werden Besucherinnen und Besucher in den folgenden Jahren bei vielen Projekten beteiligt: „Lebenslinien“, „Das Leben ist eine Kunst. Mit Kunst und Kreativität gegen soziale Ausgrenzung“ und „Die Bank der Begegnung“.

2015

Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland steigt stark an. Zunächst ist die Bahnhofsmission die einzige Anlaufstelle für viele mittellose Unionsbürger aus Osteuropa auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. In den Folgejahren leistet die Bahnhofsmission einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der großen Flüchtlingsströme infolge von Kriegen und Konflikten in vielen Regionen der Welt. Zunächst dient sie als Versorgungs- und Anlaufstelle. Kurz darauf werden Menschen aus anderen Kulturen auch in das Team der Bahnhofsmission integriert und arbeiten in einem interkulturellen Team mit.

Und heute?

Die Würzburger Bahnhofsmission geht mit ihrem Konzept der sozialen Arbeit in die Offensive. Mit der Deutschen Bahn stimmt sie darin überein: Der Bahnhof ist auch ein sozialer Brennpunkt – und die Bahnhofsmission die erste Hilfestation.
120 Jahre Bahnhofsmission haben gezeigt: Die Not hat heute viele Gesichter. Mehr als 80 Prozent der rund 45 000 Kontakte mit Menschen, die sich jährlich an die Einrichtung wenden, sind keine Durchreisenden, sondern am Bahnhof Gestrandete: Arbeitslose, Straßenkinder, misshandelte Frauen, psychisch belastete Personen, Einsame – Menschen, die nicht den Anschluss an den Zug, sondern oft ans Leben verpasst haben – Menschen, denen mit einem Tee allein nicht geholfen ist, weil sie an der Seele frieren. Vielen von ihnen fehlt der Glaube, dass sich ihr Leben noch einmal zum Guten wendet.
Über 50 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen übernehmen die besondere Aufgabe, auch die Schwächsten unserer Gesellschaft zu stärken und ihnen in ihren Möglichkeiten Perspektiven zu geben. 24 Stunden jeden Tag.