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Dezember 15, 2015

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Selbst an Weihnachten ist geöffnet

Selbst an Weihnachten ist geöffnet

Förderverein der Bahnhofsmission organisiert 13. Bahnhofskonzert mit „Mucho Mojo“

 

Würzburg. Klaus Rügamer ist ein Weihnachtsfan. „Bei mir sind alle Fenster geschmückt, überhaupt, die ganze Wohnung“, so der 46-Jährige. In diesem Jahr allerdings gibt es keine Weihnachtsdeko, Rügamer verlor vor kurzem seine Wohnung. „Seither schlafe ich draußen“, erzählte er beim 13. Würzburger Bahnhofskonzert mit der Blues-Gruppe „Mucho Mojo“, das der Förderverein Bahnhofsmission Würzburg unter der Überschrift „Der Bahnhof rockt“ am Freitag am Bahnhofsvorplatz organisierte.

 

 

Mitglieder und Freunde des Fördervereins, Reisende und Musikbegeisterte, vor allem aber die Besucher der Bahnhofsmission waren eingeladen, das eintrittsfreie Benefizkonzert zu genießen. „In blues we trust“ lautete das Motto von „Mucho Mojo“. Erstmals war die Band für ein Bahnhofskonzert engagiert. Sie begeisterte mit Songs wie dem Traditional „Saint James Infirmary“ oder „She Caught The Kathy“, einem Stück, das durch die Blues Brothers berühmt wurde.

 

 
Als die Band angefragt wurde, gab es kein langes Zögern, so Bluesharp-Spieler Sebbo Schneider: „Wir spielen sehr gern für die Bahnhofsmission.“ Denn die „Blauen Engelvom Bahnhof leisten in den Augen des Musikers eine höchst sinnvolle Arbeit. Schneider weiß, dass es in Würzburg eine Menge Menschen in Not gibt: „Beim Stadtfest sprach ich in diesem Jahr lange mit einem Obdachlosen.“ Er erfuhr, wie mühsam der sich durchs Leben schlug. Durch das Benefizkonzert wollte „Mucho Mojo“ etwas dafür tun, dass Menschen in Not über die Würzburger Bahnhofsmission auch im kommenden Jahr die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

Weihnachten mit der Bahnhofsmission Würzburg erleben und genießen

 
Antonia Bachl kennt Not sehr gut. Die 72-Jährige wurde von ihren Eltern nie gefördert. „Es hieß, dass ich später sowieso einmal heiraten werde, deshalb kam ich nicht auf eine höhere Schule.“ Ihr ganzes Leben lang schlug sich Bachl mit gering bezahlten Jobs durch: „Mal arbeitete ich in einem Blumengeschäft, mal in einer Gärtnerei, mal in einem Textilladen.“ Entsprechend mager fällt nun ihre Rente aus. Den Eintritt für ein Konzert oder für eine Theatervorstellung könnte sie sich niemals leisten: „Aber ich erhielt in diesem Jahr über die Kulturtafel eine Karte fürs Stadttheater. Das hat mir ganz wunderbar gefallen.“

 

 
Die Bahnhofsmission ist ein Ort, an dem alle Menschen, die Probleme haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit Hilfe erhalten. Und zwar an jedem Tag des Jahres. „Das ist manchen Menschen noch immer nicht bekannt“, erfuhr Martina Fritze, die während des Konzerts am Stand des Fördervereins Glühwein, Punsch, Waffeln und Plätzchen verkaufte. Fritze und ihre Mitstreiter von der Bahnhofsmission und dem Förderverein klärten Passanten auf, boten Leckereien an, warben um Spenden und gaben dem einen oder anderen Bedürftigen auch schon mal eine Plätzchentüte als Geschenk mit: „Eine Frau hat sich darüber unglaublich gefreut.“

 

 
Für Klaus Rügamer und Antonia Bachl ist es eine große Beruhigung, zu wissen, dass die Bahnhofsmission sogar an Weihnachten durchgehend geöffnet hat. „Noch habe ich keine Ahnung, wo ich Weihnachten verbringen werde“, sagt Klaus Rügamer. Angehörige, mit denen er bei Plätzchen und Glühwein feiern könnte, gibt es nicht. Auch Antonia Bachl bleiben nur soziale Organisationen wie die Bahnhofsmission und Sant’Egidio. An diesen Beispielen zeigt sich für Würzburgs Sozialreferentin Hülya Düber, die das Konzert eröffnete, wie wichtig die Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft am Bahnhof ist: „Hier gibt es jederzeit Hilfe, Hoffnung und Beistand.“ Helmut Fries

 

 

Vor allem für die Besucher der Bahnhofsmission war das Benefizkonzert von Mucho Mojo am Bahnhofsvorplatz ein wunderschönes Erlebnis.

Dezember 8, 2015

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Bahnhofskonzert 2015

„Der Bahnhof rockt!“

Freitag, den 11. Dezember 2015 um 17.00 Uhr

Die Gruppe „Mucho Mojo“ mit dem Motto „In blues we trust“ bringt uns in vorweihnachtliche Stimmung. Bereits ab 15 Uhr werden am Pavillon des Fördervereins heiße Getränke und frisches Weihnachtsgebäck verkauft, und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission stehen gerne für Information und Gespräch zur Verfügung. Die Veranstaltung ist seit vielen Jahr ein guter Ort der Begegnung zwischen Arm und Reich, für Reisende und Musikbegeisterte, für Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz und solchen, deren Leben aus der Bahn geraten ist. Alle sind willkommen, der Eintritt ist frei! Unterstützt wird das Konzert vom Bahnhofsmanagement, das uns die Halle zur Verfügung stellt, ebenso von DB Regio und von der Stadt Würzburg. Spenden nehmen wir gerne entgegen.
Schauen Sie bei uns vorbei, wir freuen uns!

Dezember 3, 2015

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Da sind so viele Geschichten

Da sind so viele Geschichten 

Interaktive Wanderbank-Ausstellung in der Sparkasse Mainfranken eröffnet

 

 

Würzburg. „Kann das funktionieren?“ Nicht nur Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake war skeptisch, als das Projekt „Wanderbank“ vor einem Jahr startete. Doch es „funktionierte“ – und zwar sehr gut. Menschen, die einander völlig fremd waren, fanden auf der Wanderbank zueinander. Pensionisten und Schüler, Erfolgreiche und Gescheiterte, Humorvolle und Melancholische. Noch bis 18. Dezember gibt die Wanderbank-Ausstellung in der Sparkasse Mainfranken Einblick in ein facettenreiches Projekt.

 

 

Mit Menschen, die man nicht kennt, fängt man normalerweise nicht so einfach ein Gespräch an. Schon gar nicht ein Persönliches. Das könnte dem anderen unangenehm oder lästig sein. Man könnte barsch abgewiesen werden. „Es gibt wie eine Art unsichtbare Barrikade“, konstatierte Bernd Fröhlich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, der die interaktive Ausstellung am Donnerstag eröffnete. Eigentlich schade: „Denn auf diese Weise entgeht uns einiges.“

 

 
Alles durfte ein Jahr lang auf der durch Würzburg tourenden Wanderbank erzählt werden: Tatsachen und Träume, Geschichten aus der Vergangenheit und Visionen für die Zukunft. Die Wanderbank selbst ist mit einem großen Traum verknüpft, so Helmut Fries, Vorsitzender des Fördervereins der Bahnhofsmission Würzburg, der das Projekt trägt. Und zwar mit dem Traum, dass die Bank in den aktuell unruhigen Zeiten ein Ort der Versöhnung und der Verständigung wird. „Ich wünschte mir, dass Politiker öfter eine solche Bank zur Verfügung hätten, um zu erkennen, was jetzt Not tut“, erklärte Fries mit Blick auf die Syrienkrise und den Flüchtlingszustrom.

Nicht nur der Bahnhof ist ein sozialer Brennpunkt

 

 

 
Für Geschichtensammlerin Anne Walz war die Wanderbank ein Ort ständiger Neuentdeckungen. „Man wird so oft überrascht von dem Gegenüber, das da sitzt und erzählt“, sagte sie bei der Vernissage. Mit der Einrichtung Bahnhofsmission hat die Wanderbank nach ihren Worten eine Menge zu tun: „Menschen kommen aus Notsituationen heraus in die Bahnhofsmission, weil sie reden und Nähe spüren möchten.“

 

 
Noch sehr viel mehr Menschen, hat Anne Walz in den vergangenen Monaten erfahren, bräuchten dringend einmal jemand, der ihnen zuhört. Viele Leute sind einsam: „Und Einsamkeit macht krank.“ Das Projekt Wanderbank will für das Bedürfnis, einander zu erzählen, sensibilisieren. Und es fordert dazu auf, einmal einem anderen Menschen zuzuhören. Ohne Vorurteile. Ohne Misstrauen. Auch wenn dieser andere ein „wildfremder“ Mensch ist.
Wie groß die Sehnsucht von Menschen ist, sich einmal jemanden rückhaltlos anzuvertrauen, hat auch Hedwig Gappa-Langer, Referentin für Bahnhofsmissionen beim katholischen Verband „In Via“, schon oft erfahren. Gappa-Langer nahm an der Vernissage in Würzburg teil, weil sie mit den Künstlerinnen Christiane Huber und Sanne Kurz das Ursprungskunstprojekt „Wanderbank“ initiierte. Dass dieses Projekt in Würzburg einen eigenen Ableger fand, ist für die Referentin äußerst begrüßenswert.

 

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Wanderbank, mit der Anne Walz ein Jahr lang durch Würzburg zog. Über Kopfhörer erfahren die Besucher eine von etlichen Geschichten, die Anne Walz gesammelt hat. Über ein Video ist eine weitere Geschichte zu sehen und zu hören – Anja Dyes war bereit, ihre Lebensgeschichte ein ganzes Stück weit preiszugeben. Andere Geschichten sind nur durch ein Zitat angerissen. Oder durch eine kurze Erzählpassage. Die alles andere als überladene Ausstellung weckt den Wunsch, in die Welt hinauszuziehen, um selbst Geschichten zu hören. Auf der nächsten Parkbank. In der Straßenbahn. Im Bus oder Zug. Oder beim Arzt im Wartezimmer.

 

 
Die Ausstellung ist noch bis 18. Dezember im Foyer der Sparkasse Mainfranken (Hofstraße 7-9) zu den üblichen Schalteröffnungszeiten zu sehen.