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Selbst an Weihnachten ist geöffnet

Selbst an Weihnachten ist geöffnet

Förderverein der Bahnhofsmission organisiert 13. Bahnhofskonzert mit „Mucho Mojo“

 

Würzburg. Klaus Rügamer ist ein Weihnachtsfan. „Bei mir sind alle Fenster geschmückt, überhaupt, die ganze Wohnung“, so der 46-Jährige. In diesem Jahr allerdings gibt es keine Weihnachtsdeko, Rügamer verlor vor kurzem seine Wohnung. „Seither schlafe ich draußen“, erzählte er beim 13. Würzburger Bahnhofskonzert mit der Blues-Gruppe „Mucho Mojo“, das der Förderverein Bahnhofsmission Würzburg unter der Überschrift „Der Bahnhof rockt“ am Freitag am Bahnhofsvorplatz organisierte.

 

 

Mitglieder und Freunde des Fördervereins, Reisende und Musikbegeisterte, vor allem aber die Besucher der Bahnhofsmission waren eingeladen, das eintrittsfreie Benefizkonzert zu genießen. „In blues we trust“ lautete das Motto von „Mucho Mojo“. Erstmals war die Band für ein Bahnhofskonzert engagiert. Sie begeisterte mit Songs wie dem Traditional „Saint James Infirmary“ oder „She Caught The Kathy“, einem Stück, das durch die Blues Brothers berühmt wurde.

 

 
Als die Band angefragt wurde, gab es kein langes Zögern, so Bluesharp-Spieler Sebbo Schneider: „Wir spielen sehr gern für die Bahnhofsmission.“ Denn die „Blauen Engelvom Bahnhof leisten in den Augen des Musikers eine höchst sinnvolle Arbeit. Schneider weiß, dass es in Würzburg eine Menge Menschen in Not gibt: „Beim Stadtfest sprach ich in diesem Jahr lange mit einem Obdachlosen.“ Er erfuhr, wie mühsam der sich durchs Leben schlug. Durch das Benefizkonzert wollte „Mucho Mojo“ etwas dafür tun, dass Menschen in Not über die Würzburger Bahnhofsmission auch im kommenden Jahr die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

 

 
Antonia Bachl kennt Not sehr gut. Die 72-Jährige wurde von ihren Eltern nie gefördert. „Es hieß, dass ich später sowieso einmal heiraten werde, deshalb kam ich nicht auf eine höhere Schule.“ Ihr ganzes Leben lang schlug sich Bachl mit gering bezahlten Jobs durch: „Mal arbeitete ich in einem Blumengeschäft, mal in einer Gärtnerei, mal in einem Textilladen.“ Entsprechend mager fällt nun ihre Rente aus. Den Eintritt für ein Konzert oder für eine Theatervorstellung könnte sie sich niemals leisten: „Aber ich erhielt in diesem Jahr über die Kulturtafel eine Karte fürs Stadttheater. Das hat mir ganz wunderbar gefallen.“

 

 
Die Bahnhofsmission ist ein Ort, an dem alle Menschen, die Probleme haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit Hilfe erhalten. Und zwar an jedem Tag des Jahres. „Das ist manchen Menschen noch immer nicht bekannt“, erfuhr Martina Fritze, die während des Konzerts am Stand des Fördervereins Glühwein, Punsch, Waffeln und Plätzchen verkaufte. Fritze und ihre Mitstreiter von der Bahnhofsmission und dem Förderverein klärten Passanten auf, boten Leckereien an, warben um Spenden und gaben dem einen oder anderen Bedürftigen auch schon mal eine Plätzchentüte als Geschenk mit: „Eine Frau hat sich darüber unglaublich gefreut.“

 

 
Für Klaus Rügamer und Antonia Bachl ist es eine große Beruhigung, zu wissen, dass die Bahnhofsmission sogar an Weihnachten durchgehend geöffnet hat. „Noch habe ich keine Ahnung, wo ich Weihnachten verbringen werde“, sagt Klaus Rügamer. Angehörige, mit denen er bei Plätzchen und Glühwein feiern könnte, gibt es nicht. Auch Antonia Bachl bleiben nur soziale Organisationen wie die Bahnhofsmission und Sant’Egidio. An diesen Beispielen zeigt sich für Würzburgs Sozialreferentin Hülya Düber, die das Konzert eröffnete, wie wichtig die Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft am Bahnhof ist: „Hier gibt es jederzeit Hilfe, Hoffnung und Beistand.“ Helmut Fries

 

 

Vor allem für die Besucher der Bahnhofsmission war das Benefizkonzert von Mucho Mojo am Bahnhofsvorplatz ein wunderschönes Erlebnis.